2013 Bonjour la vie

Der Thementag „Bonjour la vie!“ – ein spannender Quartalsbeginn

Der diesjährige Thementag der Sekundarschule stand ganz im Zeichen der „ausserschulischen Lernorte“. In Vierer- oder Fünfergruppen absol-vierten die Schülerinnen und Schüler am Vormit-tag einen Lernparcours. Während diesem lernten sie Sachen, die man normalerweise in der Schule nicht lernt. Am Nachmittag schaute sich die gan-ze Schule im Kinosaal des Filmpodiums Biel den Klassiker „The Truman Show“ an.

Der abschliessende Ballonwettbewerb musste wegen des einsetzenden Regens auf den Donnerstag verschoben werden.

„Ja se zovem, Vesna. Ja stanjem u Dotzigen.“ Vesna Gerber stellt sich den er-staunten Jugendlichen in ihrer Muttersprache vor und weiht sie anschliessend mit viel Charme in die Geheimnisse der kroatischen Sprache ein. „In meiner Heimat grüsst man nur die uralten Leute mit dem Nachnamen.“ Sie muntert die Schülerinnen und Schüler auf, sie beim nächsten zufälligen Zusammentreffen mit „Dobar dan, Vesna!“ zu begrüssen. „Dobar dan“ heisst auf Kroatisch „Guten Tag!“ Aus dem Nebenzimmer dringt Kindergelächter.
Nach einem professionellen Crashkurs in ihrer Landessprache versucht die gebürtige Polin Dorota Jakob einer Schülergruppe einen polnischen Zungen-brecher beizubringen. „Fischers Fritz fischt Fritze“ ist dagegen ein Kinderspiel. „Oa mia, Yanick – oa mia Annic – oa mia Nils – oa mia Patrik – oa mia Anna“, tönt es aus dem Italienischzimmer. Eine Schülergruppe ist gerade dabei, sich auf Teochew vorzustellen. Teochew ist eine der Hauptsprachen von China. Lyleng Ngo und ihre Tochter Marilyn wiederholen mit einer Engelsgeduld die fremdartig klingenden Laute, bis diese auch beim letzten Sprachnovizen angekommen sind.

Auf der andern Seite des Ganges führen zwei Kan-tonspolizisten eine Schülergruppe in die Ermittlungs-techniken und die Tücken der Spurensicherung ein.
Während Marcel Affolter die Unter-schiede zwischen forensischen, mechanischen und digitalen Spuren erklärt, können die Jugendlichen bei Urs Wolf ihre Finger- und Handabdrücke abgeben.

 

Auch vor dem Schulhauseingang ist die Kantonspolizei präsent. Philipp Neuen-schwander stellt seinen fünfeinhalbjährigen Schutzhund Levi und die verschie-denen Arbeits- und Dressurinstrumente vor. Fasziniert hören die Jugendlichen zu, wozu dieser fünfeinhalbjährige belgische Schäferhund alles fähig ist, damit er sich zur Belohnung in einen „Boudin“ verbeissen darf. Unter einem „Boudin“ verstehen die Kynologen keine Blutwurst, sondern ein Beisskissen.

 

Hinter dem Schulhaus zeigen zwei Feuerwehrprofis den Schülergruppen, wie man sich in einem Brandfall korrekt verhält. „Was macht ihr, wenn euer Weih-nachtsbäumchen in Brand gerät?“, fragt Peter Frick, der oberste Feuerwehr-mann des Kantons Bern. Ein Schüler schlägt vor, einen Kübel Wasser über das brennende Bäumchen zu leeren. „Wollt ihr wirklich, dass bei dieser Löschaktion der neue Parkettboden zerstört wird?“

Er zeigt der erstaunten Schülerschar, wie man mit einem wassergetränkten „Bürschteli“ einen Christbaumbrand effizient und sicher löschen kann. „Wie ein katholischer Priester mit dem Weihwasserwedel“, witzelt Frick. In der Zwischenzeit hat sein Assistent Urs Kallen ein Pfannenbrand vorbereitet.

 

Der einsetzende Nieselregen zeigt auf eindrückliche Weise, was die Kombination von heissem Öl und Wasser für Konsequenzen hat. Feuerwerksartige Flammen züngeln bedrohlich zischend in die Höhe. „Dabei ist alles so einfach. Man muss einfach mit einem trockenen Gegenstand die Pfanne abdecken, damit das Feuer erstickt.“ Fasziniert schauen die Kinder zu, wie Frick den Brand in einer Pfanne mit einem Stück Karton oder einer ausgebreiteten Zeitung zum Erlöschen bringt. Zur gleichen Zeit geben Urs Rohner, der für die Umwelt Beauftragte von Dotzigen, und der pensionierte Förster Ruedi Greber auf dem Hornusserplatz einen infor-mativen Einblick in die Flora und Fauna des Auenwaldes. Es ist faszinierend, wie viele Arten von Libellen und Orchideen in der nächsten Umgebung unseres Schul-hauses existieren.

 

Auf dem Kiesparkplatz hinter der Alten Turnhalle stossen die Schülergruppen auf einen fingierten Verkehrsunfall.
Marlies von Gunten und ihr Samariterteam erklären die ABC-Regeln (Atemwege freimachen, Beatmen, „Circulation“) und zeigen, wie man einen Bewusst-losen richtig lagert.

Aber auch der soziale Aspekt darf an diesem Vormittag nicht zu kurz kommen. Verschiedene Dotziger Haushalte haben sich für diese Mini-Sozialeinsätze zur Verfügung gestellt. Bei Dorli Schori wird der Gartenhag geputzt, bei Rosmarie Thomi im Haushalt geholfen und bei Familie Zimmer steht ein Putzeinsatz auf dem Programm.

In der Alten Turnhalle dürfen die Schülerinnen und Schüler während einer halben Stunde ein für sie völlig neues Sportgerät „erfahren“. Die Einräder, Waveboards und die Zirkusbälle erfreuen sich grosser Beliebtheit und sorgen für manchen Lacher.

 

Szenenwechsel: Gebannt schaut die ganze Schule auf die Kinoleinwand im Filmforum Biel und verfolgt das tragikomische Schicksal von Truman Burbank, welcher – ohne davon zu wissen – der Hauptdarsteller einer Fernsehserie ist, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben eines Menschen von Geburt an zu dokumen-tieren. Zu diesem Zweck hat der Produzent der Serie Truman als Baby von seiner Firma adoptieren und eigens Seahaven, eine von Wasser umgebene Küstenstadt, unter einer riesigen Kuppel bauen lassen. Hier wächst Truman auf, umgeben von Schauspielern, täglich beobachtet von über 5000 Kameras. Finanziert wird die „Truman Show“, die 24 Stunden täglich live übertragen wird, hauptsächlich durch Product-Placement. Der 1998 produzierte Film ist eine Satire auf die von Medien geprägte Welt, die unsern Schülerinnen und Schülern auf eindrückliche Weise zeigt, welchen Einfluss die Medien auf ein ahnungsloses Individuum haben können.

 

Zurück in Dotzigen werden die wichtigsten Erkenntnisse dieses abwechslungs-reichen Tages in das neu eingeführte Lernjournal geschrieben. Dahinter steckt die Idee, dass die Schülerinnen und Schüler sich in diesem Schuljahr intensiver damit auseinandersetzen, was sie jeweils in den Lektionen gelernt haben.  

Einen krönenden Abschluss findet der Thementag am Donnerstagvormittag mit dem Ablassen von vier Riesenballonen, die allesamt mit besonderen Lern-wünschen unserer SchülerInnen und Schüler bestückt sind.

 

Dieses von Geneviève Racine und Bea Zbinden mit viel Engagement organisierte Quartalsevent wird sicher allen Beteiligten noch lange in bester Erinnerung bleiben.  

Allen Freiwilligen, ohne deren idealistischer Einsatz dieser spannende Tag gar nicht zustande gekommen wäre, gilt unser herzlicher Dank!